Ein herausragendes und mitreißendes Handballspiel bekamen die Zuschauer am Sonntagabend in der Staudingerhalle in Freiburg – die Jahnhalle in Zähringen steht in den Endzügen ihrer Renovierung und wird Mitte November fertiggestellt sein – zwischen dem TSV Alemannia Freiburg-Zähringen und der SG Kappelwindeck/Steinbach zu sehen. Beide Teams waren bisher ungeschlagen geblieben, die Alemannia thronte nach vier überzeugenden Siegen mit 8:0 Punkten an der Tabellenspitze, während die Rebländer einen Punkt beim 33:33 Unentschieden gegen den TSV Rintheim liegen ließen.
Neben dem TSV und der SG gehören nur noch der starke TuS Helmlingen und die bisherige Überraschungsmannschaft der SG Muggensturm/Kuppenheim zur Spitzengruppe der Liga. Es war also klar, dass das Duell der beiden Tabellennachbarn das absolute Topduell dieses Spieltags war und das Ergebnis die Weichen für den weiteren Verlauf der Hinrunde bedeuten sollte. Nach einem wahren Handballfeuerwerk und Kopf-an-Kopf-Rennen erwischte die SG das bessere Ende und gewann knapp mit 28:29 gegen die Wachter-Sieben, die sichtlich geknickt das Spielfeld verließ, aber dennoch handballerisch zu überzeugen wusste. Doch der Reihe nach: Der Beginn des Spiels sah vielversprechend für die Freiburger aus. Die Alemannia brachte eine hohe Intensität mit ins Spiel, der Siegeswille war von Minute eins an direkt zu erkennen. Eine wahnsinnig engagierte Abwehrleistung des gesamten Teams machte es der SG unglaublich schwer, zu sauberen Torchancen zu kommen. Arne Palder im Zähringer Tor war gleich mehrfach zur Stelle. Daraus resultierte die frühe 2:0 Führung nach einem schönen Durchbruch durch Erik Frisch. Die SG schlug mit zwei schmeichelhaften Treffern zurück. Den einzigen Vorwurf, den sich die Wachter-Sieben zu Beginn machen konnte, war die mangelnde Chancenverwertung bzw. der ein oder andere technische Fehler im Tempospiel zu viel, sodass man sich trotz drückender Überlegenheit nicht weiter absetzen konnte. Hinzu kamen zwei frühe Verwarnungen der Schiedsrichter für Lennart Ludwig und Simon Eisenblätter. Ludwig traf es gleich nach seiner Verwarnung noch härter: Nach einer weiteren starken Abwehraktion samt Ballgewinn erhielt der Zähringer Kreisläufer eine völlig unverständliche Zwei-Minuten-Strafe, womit der TSV im Nachteil war. Doch Ruben Wolfarth, der zuvor schon sicher getroffen hatte, stahl dank herausragender Antizipation den Ball in Unterzahl und netzte im Gegenstoß zum 4:2 für die Alemannia. In der Folge war allerdings wieder die SG am Zug. Die starke Rückraumachse um Jeremias Seebacher fand immer wieder den emsigen Linus Demler am Kreis, der stark verwandelte. So holte sich Kappelwindeck das Momentum auf seine Seite und ging selbst mit 6:8 in Führung. Es war ein typisches Handballspiel in Phasen, in denen beide Mannschaften durch die jeweils starke Phase des anderen Teams wie angestachelt wirkten. Zähringen kam nach der ersten Auszeit überzeugend zurück ins Spiel und Ruben Wolfarth erhöhte in Überzahl nach klugem Anspiel von Felix Bühler auf 10:8 für die Alemannia. Anschließend wurde das Spiel von weiteren Zeitstrafen geprägt, die Schiedsrichter fuhren dabei eine sehr undurchsichtige Linie. Zuerst traf es Sinan Kantar auf der Zähringer Seite, der für zwei Minuten auf der Bank Platz nehmen musste. Im Anschluss beschwerte sich die Bank der Gäste dermaßen lautstark, dass es auch hier zwei Minuten wegen Meckern gab und ein Spieler von Kappelwindeck das Spielfeld verlassen musste. Nachdem diese Zeitstrafe abgesessen war, mussten dann in zwei aufeinanderfolgenden Abwehrsituationen auch noch sowohl Linus Demler als auch Tim Schreck von der SG raus, sodass die Alemannia in zweifacher Überzahl agierte. Diese Phase wurde durch die Freiburger jedoch nur teilweise ausgenutzt, sodass es weiter eng zu sich ging. Linus Herzog auf der Seite der Zähringer holte sich dann auch noch zwei Minuten ab, sodass wieder ungefähr ein Gleichgewicht auf dem Spielfeld herrschte. Bis zur Halbzeit blieb es ein enges, bissiges, aber auch hochklassiges Spiel. Die SG trug zur Halbzeit eine knappe 12:13 Führung davon. Nach der Halbzeitpause wurde dann auch wieder mehr Handball gespielt, und wie. Die Zähringer hatten ihre beste Phase im Spiel, konnten erneut durch saubere Deckungsarbeit und schnelles Tempospiel auf 18:15 erhöhen. Hier boten sich einige Chancen für den TSV, noch weiter zu erhöhen, doch diese blieben ungenutzt. Im Gegenteil, die SG mit all ihrer Qualität und nun auch dem siebten Feldspieler kam wieder heran. Tim Schreck für die SG drehte das Spiel erneut beim 21:22 zehn Minuten vor Schluss. Immer wieder scheiterten die Zähringer Schützen zudem am stark aufgelegten Gäste-Keeper, der vor allem tief zahlreiche Würfe wegnahm. Auf der anderen Seite zeigte auch Arne Palder eine starke Vorstellung, sodass sich die Torhüter in ihrer Performance wenig nahmen. Es blieb das von Anfang an enge Kopf-an-Kopf-Rennen: Die SG legte vor, die Alemannia glich aus. Beim Stand von 27:27 ergab sich für den TSV nach erfolgreicher Abwehraktion noch einmal die Chance, in Führung zu gehen, welche jedoch ebenso ungenutzt blieb wie viele andere Möglichkeiten zuvor. Das war vermutlich das größte Manko der Freiburger an diesem Tag, die magere Chancenverwertung vorm Tor, vor allem in den wichtigen Momenten. So traf Johannes Höll eine halbe Minute vor Schluss mit einem überlegten Rückraumwurf zum 28:29. Der TSV kam nur noch zu einem schwierigen Wurf über Linksaußen, der jedoch neben dem Tor landete. Die letzten 10 Sekunden spielte die SG dann trotz Ansturm der Zähringer Feldspieler überlegt herunter und gewann schlussendlich ein großartiges Handballspiel in fremder Halle mit 28:29. Ob ein Unentschieden oder gar ein Sieg der Zähringer verdient gewesen wäre, darüber lässt sich noch lange diskutieren. Fest steht nur, dass beide Mannschaften starke Leistungen zeigten und die SG das Glück und die Zeit am Ende auf ihrer Seite hatte und damit als Sieger vom Feld ging. Doch das Freiburger Team muss sich keine großen Vorwürfe machen, gegen einen starken und gut vorbereiteten Gegner hat es einfach knapp nicht gereicht. Jetzt gilt es dennoch schnell den Kopf wieder aufzurichten, die Niederlage aus den Gedanken zu wischen und kommenden Sonntag mit der gleichen Motivation und Einstellung ins nächste Kracherduell auswärts gegen den TuS Helmlingen zu gehen. Hier wird sich dann zeigen, ob das Freiburger Team mit Druck umgehen und beim nun derzeitigen Tabellenprimus bestehen kann oder die nächste Niederlage einstecken muss. Die Alemannia freut sich auf jeden Fall auch auswärts über viel Unterstützung!









