Herren 1: Auf dramatische Art und Weise die Chance auf die Aufstiegsrelegation vergeben

Die Handballer des TSV Alemannia Freiburg-Zähringen kamen in einem wahren Handballkrimi zwar mit einem blauen Auge davon, verspielten aber im Fernduell mit der SG Ohlsbach/Elgersweiher jegliche Restchancen auf Platz 2 und haben nun den dritten Tabellenplatz sicher. Der eine errungene Punkt beim 35:35 Unentschieden auswärts beim TV Oberkirch war letztlich zu wenig, um der Aufstiegsrelegation noch einmal nahezukommen. Nach einem spannenden Spiel, in dem die Alemannia fast immer hinten lag, war es mit dem Ertönen der Schlusssirene Kreisläufer Lennart Ludwig, der seinen Zähringer Farben noch einen Punkt sicherte.

Die Ausgangslage vor dem vorletzten Spiel der Saison war klar: Die Alemannia musste einen Sieg holen und gleichzeitig auf einen Patzer der SG Ohlsbach hoffen, um noch ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden zu können. Der TV Oberkirch war währenddessen abgesichert im Tabellenmittelfeld unterwegs, für das Team aus dem Renchtal hatte das Spiel also keine sportliche Bedeutung mehr. Dennoch erkannte man schon vor dem Spiel die durchaus emotionale Bedeutung. Gleich vier Spieler wurden vor Beginn des Spiels in den Handballruhestand verabschiedet und von den zahlreich erschienenen Fans in der Halle gefeiert. Dementsprechend klar war, dass der TVO alles daran setzen wollte, das letzte Heimspiel der Saison siegreich gegen die Alemannia zu gestalten. Im Hinspiel setzte sich der TSV in eigener Halle nach langem Rückstand am Ende noch mit 33:29 durch und holte die ersten Punkte in der Verbandsligasaison. Seitdem haben sich beide Mannschaften merklich weiterentwickelt und wollten ihren besten Handball auf die Platte bringen.

Dies gelang dem Heimteam aus Oberkirch zunächst besser. Dominik Gross eröffnete für seine Farben zum 1:0. Die Alemannia konterte und ging in der siebten Spielminute zum ersten Mal mit 2:3 in Führung. Es war zunächst ein defensiv geprägtes Spiel. Wie erwartet spielte der TVO lange Angriffe in fast schon lethargischer Art und Weise, um dann in den richtigen Momenten die Lücken der Zähringer Defensive anzugreifen. Die Zähringer Abwehr agierte schläfriger als sonst und ließ die Rückraumspieler des Heimteams zu sehr freie Fahrt gewähren. Die erfahrenen Haudegen um Regis Matzinger und Tomislav Barberic netzten ein ums andere Mal, während die Alemannia ihre Angriffe nicht immer sauber zu Ende spielte. Gegen die tiefstehende und sehr körperlich ausgerichtete 6:0-Deckung der Oberkircher tat sich die Alemannia schwer. So setzte sich der TV Oberkirch immer mehr ab, beim 14:9 in der 23. Minute schrillten beim TSV alle Alarmglocken. Dank einer klaren Leistungssteigerung in den folgenden Minuten konnte die Alemannia durch Philipp Böhringer auf 14:12 verkürzen. Dann folgte eine der Schlüsselszenen des Spiels: Nach einem Ballverlust der Zähringer Offensive sprintete Sinan Kantar zurück in die Abwehr und traf den Oberkircher Gegenstoßspieler halb von vorne, halb von der Seite. Die Schiedsrichter zückten die blaue Karte, eine klar überzogene Maßnahme und leider nicht die einzige fragwürdige Entscheidung in diesem Spiel. Die folgende Unterzahl überstand die Alemannia nicht sonderlich gut, mit einem 18:12 für die Heimmannschaft ging es in die Pause.

So hatte sich der TSV den Spielverlauf sicherlich nicht vorgestellt, und daher war klar, dass erneut eine Leistungssteigerung hermusste, um das Spiel nochmal zu drehen. Langsam aber sicher kämpfte man sich in Halbzeit 2 wieder heran. Die Zähringer Torhüter drehten auf und im Angriff zog man mit viel mehr Konsequenz und Tiefe einen Strafwurf nach dem anderen. Ein Wahnsinnsgarant der Zähringer Aufholjagd war Ruben Wolfarth, der jeden einzelnen Strafwurf versenkte und am Ende mal wieder mit 13(!) Treffern zum Toptorschützen avancierte. Die Alemannia blieb eklig, erkämpfte sich Ballgewinne und kam so Stück für Stück weiter heran. In der 53. Spielminute war es dann endlich so weit, Ruben Wolfarth glich zum 29:29 aus. Spätestens von da an wurde es ein wahres Kampfspiel, und die Schiedsrichter hatten weiter großen Anteil daran. Nach einem klaren Foulspiel an einem Zähringer Spieler im Wurf und ausbleibendem Pfiff verabschiedeten die Schiris den Zähringer Felix Bühler aufgrund von vermeintlichen Meckerns für vier Minuten auf die Bank. Trotz der großen Hypothek blieb die Alemannia dran und hielt das Unentschieden. In der Schlussminute wurde es noch wilder. Der Oberkircher Zeitnehmer unterstellte der Zähringer Mannschaft einen Wechselfehler, was die nächste Zeitstrafe und damit Unterzahl für die letzten Angriffe bedeutete. Der TVO nutzte die doppelte Überzahl für einen einfachen Treffer über den Kreis und führte somit mit einem Tor bei noch acht(!) Sekunden zu spielen. Auszeit TSV, es wurde der letzte Angriff besprochen. Und tatsächlich: Die Alemannia spielte diesen perfekt aus, unter höchstem Druck fand Felix Bühler Lennart Ludwig am Kreis und dieser verwandelte eiskalt vor der Schlusssirene zum 35:35 Endstand.

Ein völlig wildes Spiel vor allem in der Schlussphase fand ein ebenso wildes Ende. Das Team der Alemannia konnte stolz sein auf die erfolgreiche Aufholjagd, was einem starken Kraftakt gleichkam. Auf der anderen Seite überwog die Enttäuschung um die nun definitiv verpasste Aufstiegsrelegation, unabhängig von den Ergebnissen der SG Ohlsbach/Elgersweiher. Der TV Oberkirch hingegen war stolz auf ein starkes Spiel gegen den Tabellendritten, aber aufgrund des Spielverlaufs fühlte sich das Unentschieden wie eine Niederlage für den Tabellensiebten an. Somit herrschte unmittelbar nach Abpfiff eine seltsame, melancholische Stimmung in Halle, die sich mit der Zeit und dem Beginn der Kästenleerung jedoch schnell wieder aufhellte.

Für die Alemannia geht es nun im letzten verbleibenden Saisonspiel an diesem Samstag um 20 Uhr gegen den TuS Schutterwald 2 vor allem darum, die Saison vernünftig abzuschließen und den Fans in der Jahnhölle noch einmal eine gute Vorstellung zu liefern. Ein weiteres Highlight wird in der Woche drauf dann noch das Pokal-Final Four in der Wentzinger Halle sein.